Der Schreibtisch ist fast leer. Ein paar zusammengeknüllte Notizzettel liegen am Rand. Der
Mann hinter dem Schreibtisch wirkt abwesend, er scheint alles noch nicht recht zu begreifen.
Seine Hände kneten an einem Flugzeugmodell herum. "Ich brauche keinen Ferrari mehr, den
Learjet habe ich auch verkauft. Ich konzentriere mich jetzt wieder auf die wirklich wichtigen
Dinge im Leben. Ein Porsche Boxter reicht mir vollkommen!"
Im Jahr 2000 galt Tan Siekmann, heute 37, als das deutsche Modell von Bill Gates, der von
Medien und Politikern gleichermaßen hofiert wurde. "Die Investmentbanker gaben sich bei
uns die Klinke in die Hand. Wir müßten wachsen und investieren. Und der Kurs stieg und
stieg. Und plötzlich ist man auf dem Papier Milliardär." 2000 war die Firma bei ca. 8 Mio.
Euro Umsatz 2 Mrd. Euro wert! Biodata galt als Marktführer beim Thema
Netzwerksicherheit. Was "damals" passierte, könne man sich "heute gar nicht mehr
vorstellen". Wenn Siekmann dies ausspricht, denkt man, er spricht vom Zweiten Weltkrieg.
Irgendwann hätte er die Übersicht über die AG verloren, gesteht er. "Wir sind völlig
unkontrolliert gewachsen. Die unmöglichsten Leute haben Führungsaufgaben übernommen.
Wer nicht bei fünf aus dem Raum war, saß plötzlich im Vorstand." Mehr als ein Dutzend
Start-Up-Unternehmen und Beteiligungen rund um den Erdball werden hastig von den
Börseneinnahmen zusammengekauft. In allen fünf Kontinenten hat Biodata Niederlassungen
gegründet und Firmen gekauft, insgesamt ca. 26. „Aber die genaue Zahl krieg ich jetzt nicht
hin." Die Seifenblase platzt. Der Börsenkurs fällt. November 2001 muss die Biodata AG
Konkurs anmelden.
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